Xen-Schwachstellen erlauben einer Gast-VM den Zugriff auf fremden Speicher
Das Xen Project warnte am 3. November vor zwei Schwachstellen im Hypervisor Xen, die einer bösartigen Gast-VM das Lesen und Schreiben des Speichers anderer VMs auf demselben Host ermöglichen. Betroffen sind alle Xen-Versionen ab 4.6; für die Schwachstellen CVE-2026-102703 und CVE-2026-102704 gibt es laut dem Advisory Patches, aber keine bekannte Mitigation.
Der Angriff betrifft die Xen-Funktion „grant copy“, mit der VMs Daten untereinander kopieren. Xen prüft dabei, welche Speicherseiten eine VM freigegeben hat. Bei mehreren Kopiervorgängen innerhalb derselben Speicherseite verwendete der Hypervisor bereits durchgeführte Prüfungen erneut und prüfte die Berechtigungen in bestimmten Fällen nicht noch einmal. Dadurch kann eine kompromittierte Gast-VM auf Speicher zugreifen, der ihr nicht gehört.
XCP-ng, eine auf Xen basierende Virtualisierungsplattform, stufte die Auswirkungen als kritisch ein. In den Update-Hinweisen heißt es, eine einzelne kompromittierte Gast-VM könne ihre Isolation verlassen und den gesamten Host übernehmen. Das Xen-Advisory nennt bislang keine Angriffe, die diese Schwachstellen ausnutzen, und macht keine Angaben dazu, welchen initialen Zugriff ein Angreifer innerhalb der VM benötigt.
Für Xen liegen Patches für den Entwicklungszweig sowie für die Versionen 4.19.x bis 4.17.x vor. Für Xen 4.6 bis 4.16 nennt das Advisory keinen Patch; der Sicherheitssupport für Xen 4.16 endete am 2. Dezember 2024. Betreiber älterer Installationen müssen daher prüfen, welche Aktualisierung ihre Distribution oder Plattform anbietet.
XCP-ng 8.3 veröffentlichte am 3. November die Pakete xen-4.17.7-4.2.xcpng8.3. Nach der Aktualisierung muss der Host neu gestartet werden. Bei Qubes OS 4.3 liegen Xen-Pakete in Version 4.19.6-3 für dom0 vor; auch dom0 muss neu gestartet werden. Nutzer von Anti Evil Maid müssen danach ihre geheime Passphrase neu versiegeln, weil die neuen Xen-Binärdateien PCR18 und PCR19 ändern.
Die Schwachstellen sind als XSA-523 zusammengefasst und unabhängig von der früheren Grant-Copy-Schwachstelle XSA-500. Nach Angaben des Debian-Sicherheitstrackers waren am 4. November die Xen-Pakete in Debian Bookworm, Trixie und Forky noch als verwundbar geführt; in Sid war das Paket als behoben verzeichnet.
